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Essstörungen bei Kindern : Fordern statt verwöhnen

Lust ohne Anstrengung führt zu aggressiver Langeweile

04.01.2006

Ein Grund, warum Jugendliche - in erster Linie Mädchen - immer wieder unter Essstörungen leiden, könnte darin liegen, dass die Kinder zu wenig gefordert werden. Die oberösterreichische Medizinerin und Psychotherapeutin Barbara Reiterer, die auch als Schulärztin tätig ist, hat sich dem Thema angenommen und wesentliche Kernbereiche von Verhaltensregeln für Eltern, deren Kinder unter solchen Problemen leiden, heraus gearbeitet.

"Betroffen sind häufig Mädchen, die in geordneten Verhältnissen aufwachsen und deren Eltern immer wieder erklären, sie hätten ihre Kinder umhätschelt und versucht, alles ganz perfekt zu machen", erzählt Reiterer. Es komme häufig vor, dass die Kinder eingesperrt in ihren Zimmern sitzen würden und die gemeinsame Nahrungsaufnahme aber auch andere Aktivitäten verweigern. In seinem Bestseller "Fordern statt Verwöhnen" teilt der Autor Felix von Cube Erkenntnisse mit, die vielleicht Erklärungsansätze liefern können, meint die Expertin. "Cube verknüpft die Erkenntnisse der Verhaltensbiologie mit den Mechanismen von Verwöhnung, Anspruchsverhalten und Aggression." Demnach führe Verwöhnung als Lust ohne Anstrengung zu verheerenden Folgen: zu Umweltzerstörung und Gewalt, zu Drogensucht und zu Null-Bock-Gefühlen.

"Als Schulärztin und in meiner psychotherapeutischen Praxis erlebe ich viele derartige Fälle", bestätigt die Medizinerin. "Lust ohne Anstrengung führt zu aggressiver Langeweile und diese sucht nach immer größerer Lust. Damit ein junger Mensch zu einem souveränen, reifen Erwachsenen werden kann, braucht es die Erziehung, die vom Fordern zum Selbstfordern führe. Sich selbst zu Fordern ist mit Anstrengung verbunden und zu dieser Anstrengung ist das kleine Kind bei entsprechender Motivation und Begleitung bereit, alleine ist es jedoch dazu nicht fähig ein gutes Vorbild erleichtert den Lernprozess. "Es gibt einige wesentliche Bereiche, an die Eltern fordernd und damit auch fördernd herangehen können, damit sie ihnen dieses Schicksal ersparen können", zeigt sich Reiterer überzeugt. Diese sind: Ernährung, Bewegung, Kommunikation, Stimmung und Umwelt .

"Zum Thema Ernährung erlebe ich immer wieder, dass es von großem Vorteil sein kann, wenn es in der Familie Regeln, Struktur und Rituale gibt", erklärt die Expertin. So lerne ein Kind ein Ritual und Verbindlichkeit, wenn es vor dem Essen die Hände waschen muss. Es lerne warten - trainiere damit Frustrationstoleranz, wenn mit dem Essen gemeinsam begonnen wird. "Kinder lernen Achtsamkeit und Rücksicht, wenn sie sich an die Speisenfolgen halten, und nicht bereits die Nachspeise verschlingen dürfen, während die Erwachsenen noch die Hauptspeise essen." Die Expertin rät zudem, dass Kindern im Alltag gesunde, selbstkreierte Hausmannskost angeboten wird. "Beim Thema Bewegung stelle ich fest, dass Kinder zwar einen natürlichen Bewegungsdrang haben, jedoch Modelllerner sind. Das heißt, wenn sich Eltern wenig bewegen, tun es auch die Kinder immer weniger", so Reiterer. Es sei nicht günstig Kinder danach zu fragen, ob sie wandern gehen wollen, oder nicht. "Wenn die ersten zähen Minuten überwunden sind, haben die meisten gesunden Kinder Spaß an den Wanderungen." Zum Thema "Fordern zur Bewegung" gehöre es auch, Kinder vor TV- und Computerverwahrlosung zu schützen.

"Über die sprachliche Kommunikation vermitteln wir nicht nur Information sondern auch Gefühle und Werte", betont Reiterer. "Wenn ein dreijähriges Mädchen nur mit ihrem Zeigefinger in Richtung Butter zu zeigen braucht, und beide Eltern fast synchron zur Butter greifen, um sie ihr zu reichen, dann haben sie dem Kind die Chance geschmälert, sich gut artikulieren zu lernen." Es sei oft eine große Herausforderung für die Eltern, wenn Kinder im Trotzalter sehr zornig werden und die Eltern beschimpfen, dennoch ruhig und besonnen zu bleiben. "Das Kind vor seinem eigenen Trotz zu schützen und trotzdem Mut zu den Grenzen zu haben und dem Kind abzuverlangen, dass es Grenzen und Ablehnung einfach aushalten muss." Letztlich sei die Stimmung im Haus von großer Bedeutung für die seelische Gesundheit aller Mitglieder und auch für die Energie, die verfügbar ist. Zudem ist es erwiesen, dass Kinder, die verwöhnt werden, schlechter vor Suchtentstehung geschützt sind", erklärt die Expertin.

"Was nun die Umwelt anbelangt möchte ich meine persönliche Meinung einbringen, dass wir für unsere Kinder kaum etwas so nachhaltiges tun können, als auf diese acht zu geben und es den Kindern zu zeigen, wie das geht". Hier lasse sich Achtsamkeit fast nahtlos mit Fordern und Fördern verbinden. "Nicht jeder Konsumwunsch muss erfüllt werden, man kann Kindern zeigen, dass es nicht nur materielle Wünsche geben muss, sondern vielleicht Erlebnis- oder Begegnungswünsche", meint die Medizinerin. "Nicht alles, was Spaß macht, muss einen Schaden an der Umwelt hinterlassen, und es liegt in der Führungsaufgabe der Erwachsenen, den Kindern diesbezüglich Achtsamkeit zu zeigen aber auch abzuverlangen", so Reiterer abschließend.

Quelle: pte

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