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Test : Herkunft von Obst und Gemüse im Supermarkt

Knoblauch aus China - Schnittlauch aus Indien

26.02.2009

Die Erwartung, sämtliche Obst- und Gemüsesorten in Supermärkten stets verfügbar zu haben, gleich welche Jahreszeit und welche Saison, treibt so manch merkwürdige Blüte - nicht zuletzt zu Lasten der Umwelt. Knoblauch aus China etwa ist ein bekanntes und häufig kritisiertes Beispiel.

"Konsument" wollte genauer wissen, wie es um die Herkunft häufig gekaufter Obst- und Gemüsesorten in Supermarktregalen in Wien und Umgebung bestellt ist. Im Juli, August und Dezember letzten Jahres sowie im Jänner 2009 wurde die Herkunftskennzeichnung von Äpfeln, Paprika & Co. in Filialen der Ketten Adeg, Billa, Hofer, Lidl, Merkur, Penny, Spar und Zielpunkt genauer unter die Lupe genommen. Das sorgte auch für die eine oder andere Überraschung: Unter anderem fanden sich, Zuckererbsen aus Thailand, Zwiebel aus Neuseeland oder Spargel aus Peru.

"Eine vielfältige Ernährung in allen Ehren: Umweltbewusster Konsum sieht anders aus. Unnötig lange Transportstrecken für Obst- und Gemüsesorten, die sich auch in nahegelegenen Gebieten produzieren lassen, tragen wohl kaum zu einer guten Klimabilanz bei. Lange Transportwege mindern bei empfindlichen Lebensmitteln zudem die Qualität", betont "Konsument"- Ernährungswissenschafterin Birgit Beck. Nicht immer ist für Konsumenten aber auch klar ersichtlich, woher das Produkt im Einkaufskorb tatsächlich stammt. "Die Kennzeichnung lässt den Konsumenten oft ratlos zurück", weiß Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation, aus Erfahrung. "Will man umweltbewusster Einkaufen, ist man mit folgender Faustregel aber grundsätzlich gut beraten: saisonal und damit frisch und regional mit kurzen Transportwegen."

Heimisches aus aller Herren Länder
Die Untersuchung zeigt, dass die Herkunft auch in Österreich heimischer Obst- und Gemüsesorten durchaus exotisch ist: Äpfel und Birnen aus Südafrika, Knoblauch aus China oder Argentinien oder Zuckererbsen aus Kenia sind keine Seltenheit. "Konsument"-Ernährungswissenschafterin Birgit Beck: „Es ist uns klar, dass manche Obst- und Gemüsesorten, die hierzulande produziert werden, für den Konsumbedarf nicht ausreichen, oder zu Zeiten angeboten werden, zu denen sie in Österreich keine Saison haben." Beispielsweise argumentieren manche Supermärkte damit, dass es in Österreich keinen Knoblauchanbau in ausreichenden Mengen gibt. "Aber es gibt beispielsweise näher gelegene Bezugsquellen für Äpfel oder Birnen als Südamerika, Australien oder China", kritisiert Beck. Das gilt übrigens auch für exotisches Importobst: Auch hier finden sich mehr oder weniger weit entfernte Erzeugerländer.

Besonders die bei Lidl angebotenen Produkte stechen durch ihre weite Anreise ins Auge. Während es bei anderen Handelsketten im Sommer Paprika aus Österreich gab, stammte dieser bei Lidl großteils aus den Niederlanden. Auch bei den Paradeisern setzte der Konzern auf Importware aus den Niederlanden sowie aus Belgien und Spanien. Zudem wurden nur bei Lidl im Sommer importierte Fisolen - großteils aus Marokko - entdeckt. Doch sogar Gartenkräuter wie z.B. Kresse wurden in den Sommermonaten aus den Niederlanden in die heimischen Filialen von Lidl gekarrt.

Bei Spar fand sich im Dezember 2008 Schnittlauch aus Indien - eine noch dazu rasch verderbliche Ware - im Sortiment.

Der Transport macht den Unterschied
Besonders Flugtransporte für leicht verderbliche Früchte oder Gemüsesorten, etwa für Erdbeeren oder Zuckererbsen im Winter, belasten aber die Umwelt. Regionale Lebensmittel sind zwar diesbezüglich umweltfreundlicher, allerdings muss auch auf kürzeren Wegen das Transportmittel stimmen. Viele Fahrten mit kleinen Lieferwägen sind wenig energieeffizient und verschlechtern die Klimabilanz regional erzeugter Produkte. Ebenso wie der Einkauf mit dem Auto, wenn es auch mal zu Fuß oder mit dem Fahrrad geht. Zum Vergleich: Bei einer einen Kilometer langen Fahrt mit einem Mittelklassewagen werden so viele klimaschädliche Gase freigesetzt, wie für den Anbau und Handel von einem Kilogramm Frischgemüse.

Nur regional ist zu wenig
Dennoch entfällt nur relativ wenig Energie auf den Transport der Lebensmittel. Der Großteil des Energieaufwandes - und damit auch der Ausstoß an Treibhausgasen - ist der landwirtschaftlichen Produktion zuzurechnen. Beck: "Dabei fällt vor allem die Produktion tierischer Nahrungsmittel ins Gewicht. Die Erzeugung pflanzlicher Lebensmittel ist weit weniger energieaufwendig. Wer sich also ,klimafreundlich’ ernähren will, isst am besten nicht öfter als zwei bis drei Mal pro Woche Fleisch." Weiteres Einsparungspotenzial bietet die biologische Landwirtschaft. Konventionell geführte Betriebe setzen beispielsweise mineralische Stickstoffdünger ein, deren Erzeugung sehr energieaufwendig ist. In der biologischen Landwirtschaft sind diese hingegen verboten.

Auch für den Freiland-Anbau von Obst und Gemüse wird nur ein Bruchteil der Energie benötigt, wie etwa für den Anbau in Folientunneln oder beheizten Treibhäusern. Auch die Erzeugung von tiefgekühlten Lebensmitteln und die Aufrechterhaltung der Kühlkette ist sehr energieaufwendig. Dazu kommt, dass die Herkunftsangabe von Tiefkühlgemüse nicht verpflichtend ist.

Im Kennzeichnungs-Dschungel
"Wer umweltbewusst einkaufen möchte oder zumindest wissen will, woher das jeweilige Obst oder Gemüse stammt, kommt um das genaue Lesen der Herkunfts-Kennzeichnung nicht herum", erläutert Floss. Wer sich hier mit dem Kauf biologischer Produkte automatisch auf der sicheren Seite wähnt, irrt aber: Bio heißt nicht zwangsläufig regional. Das veranschaulicht auch das schwarze Bio-Zeichen der Agrarmarkt Austria. Während das rote Bio-Zeichen mit der Ursprungsangabe "Austria" Produkte aus Österreich bezeichnet, werden mit dem schwarzen Bio-Zeichen importierte Bio-Produkte gekennzeichnet - etwa Avocados aus Spanien. Verwirrend ist für Konsumenten dabei gelegentlich die auf Bio-Produkten verpflichtend anzugebende Kontrollnummer: Beginnt diese mit AT für Österreich, heißt das nicht, dass die Ware aus Österreich stammt, sondern dass sie hierzulande kontrolliert wurde. Die Herkunft ist immer gesondert angegeben.

Noch eine Besonderheit: Ob Bio oder nicht, die verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Obst und Gemüse entfällt bei einer weiteren Verarbeitungsstufe: Müssen Äpfel aus den USA noch als solche ausgewiesen werden, ist es beim Apfelmus nicht mehr nötig.

Selbst wenn für Konsumenten auf den ersten Blick nicht immer leicht zu erkennen ist, woher die Ware stammt, kann man vorbeugend einiges tun: Es muss nicht immer frischer Spargel im November sein. Und im Frühsommer tun es statt Importäpfeln auch heimische Erdbeeren oder Kirschen. "Saisongerechter Einkauf ist ein erster großer Schritt hin zu einem umweltbewussteren Einkauf und wenn man sich über die Herkunft vom Schnittlauch oder der Kresse im Regal einmal unsicher ist, schadet es auch nicht, beim Verkaufspersonal nachzufragen oder es im Zweifelsfall nicht zu kaufen", rät Beck abschließend.

Quelle: VKI

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