Herzlich Willkommen!
Schön, dass Sie die neue Webheimat besuchen!
 
 
Schriftgröße:
12345
 
 

Stevia-Produkte: Mythos oder guter Zuckerersatz?

KONSUMENT-Test ergibt aufwendige industrielle Herstellung und überraschende Zusätze


03.09.2012

Stevia; Bildquelle: KONSUMENT / E. Haberl
Naturbelassen und kalorienarm: "Stevia" erfüllt auf den ersten Blick beides. Die Süße stammt aus den Blättern der Steviapflanze und hat nahezu keine Kalorien. Ein genauerer Blick relativiert jedoch das Werbeargument des "natürlichen Zuckerersatzes". Denn als Süßungsmittel zugelassen sind nur die Steviolglykoside, die in einem aufwendigen industriellen Vorgang aus der Steviapflanze herausgelöst werden. Dazu kommt, dass "Stevia" in Pulver- oder Tablettenform häufig auch Konservierungsmittel, Stabilisatoren oder Trennmittel enthält. Die Auslobungen auf den Produkten suggerieren daher eine Natürlichkeit, die nicht den Tatsachen entspricht. Dazu kommt, das Steviolglykoside oft weit gereist sind. Sie werden unter hohem Energieaufwand derzeit vorrangig in China hergestellt.

"Ein Produkt als natürlich zu verkaufen, das mit großem technologischem Aufwand hergestellt wird, ist an sich schon überraschend. Erstaunlich ist aber auch, dass in
,Stevia‘-Produkten sehr oft andere Stoffe - darunter auch Zucker - für Süße sorgen", so Franz Floss, Geschäftsführer des Vereins für Konsumenteninformation (VKI). Bei 12 von 36 untersuchten Produkten fanden die VKI-Tester weitere Süßungsmittel - am häufigsten den Zuckeralkohol Erythrit. In zehn Produkten war Zucker enthalten - meist in Form von Fruchtzucker, Apfelsaft oder Apfelsüße. Floss: "Produkte, die diesen Süßstoff enthalten, können daher auch wesentlich mehr Kalorien enthalten, als angenommen. Hier lohnt sich also ein kritischer Blick auf die Zutatenliste."

Fazit: "Stevia" ist bei weitem nicht so natürlich wie in der Werbung angepriesen, sprich: Es ist kein natürlicher Zusatzstoff. Allerdings sind Steviolglykoside nicht besser oder schlechter als andere Süßstoffe. Sie sollten aber in Maßen genossen werden, denn zu den Auswirkungen einer chronischen Überdosierung des Süßstoffes gibt es noch keine Studien.

Überraschende Zusätze

"Stevia" in Pulver- oder Tablettenform enthält häufig zusätzlich Konservierungsmittel wie Kaliumsorbat oder Sorbinsäure, Stabilisatoren wie Alkohol oder Trennmittel in Form von Siliciumdioxid. Generell ist auffällig, dass sehr viele Produkte diverse Ballaststoffe wie Inulin, Oligofruktose oder Maltodextrin zugesetzt haben, um das fehlende Volumen auszugleichen. "Oftmals werden aus technologischen oder geschmacklichen Gründen auch andere Süßstoffe, Zucker oder Zuckeraustauschstoffe beigemengt", erläutert VKI-Ernährungswissenschafterin Katrin Mittl. "Steviolglykoside haben keine konservierenden Eigenschaften und es fehlt ihnen an Volumen. Der reine Süßstoff ist daher zum Einkochen bzw. Backen nur bedingt geeignet."

Auch für Diabetiker sind Steviolglykoside nur bedingt geeignet

Zwar werden diese insulinunabhängig verstoffwechselt und sind daher eine Alternative bei Typ-1-Diabetes. Bei Typ-2-Diabetes und auch generell gilt: Kuchen und Süßigkeiten nur in geringen Mengen verzehren, unabhängig davon, ob in ihnen "Stevia" ein anderer Süßstoff oder Haushaltszucker steckt. Beim Konsumenten darf nicht der Eindruck entstehen, dass derartige Lebensmittel unbedenklich konsumiert werden können, nur weil sie mit Steviolglycosiden gesüßt sind.

"Stevia" im Geschmackstest

Im Geschmackstest konnten sich mit Steviolglykosiden gesüßte Produkte im Vergleich zu mit Zucker und anderen Süßungsmitteln gesüßten Produkten nur schwer behaupten. Verkostet wurden u.a. Ketchup, Fruchtjoghurt, Vanilleeis und Milchschokolade. Lediglich ein Joghurt kam bei den Testern besser an als die gezuckerte Konkurrenz. Schokolade mit Steviolglykosiden erzielte im Vergleich das schlechteste Ergebnis.

Leitlinie zur Bewerbung von "Stevia"-Produkten

Wie dürfen "Stevia"-Produkte beworben werden, ohne dass sie den Verbraucher in die Irre führen? Hierzu gibt es seit Juni 2012 eine Leitlinie des Bundesministeriums für Gesundheit, derzufolge etwa die Bezeichnungen "mit Steviolglykosiden", "mit Steviolglykosiden aus pflanzlicher Quelle" oder auch "mit Süßstoff Steviolglykoside aus Stevia" korrekt sind. Blumige Formulierungen wie "mit Stevia" oder "natürlich gesüßt" sollen mit der neuen Leitlinie der Vergangenheit angehören. "Jene Hersteller, die mit ihren Produkten diesen Vorgaben noch nicht entsprechen, haben uns zu verstehen gegeben, dass sie mit Hochdruck an der Umsetzung der Leitlinie arbeiten. Wir sind gespannt und werden im kommenden Jahr genauer unter die Lupe nehmen, inwieweit dies auch erfüllt wurde", so Floss.

Weitere Infos zum Thema finden Sie in der September-Ausgabe des Testmagazins KONSUMENT oder auf www.konsument.at.

Persönlicher Bereich:
 
 
Hinweis zur Nutzung von Cookies: Diese Website nutzt Cookies zur Bereitstellung von personalisierten Inhalten, Anzeigen, Inhalten von sozialen Medien und zur Analyse des Benutzerverhaltens. Die mit Hilfe von Cookies gewonnenen Daten werden von uns selbst sowie von uns beauftragten Partnern in den Bereichen soziale Medien, Online-Werbung und Website-Analyse genutzt. Durch den Besuch unserer Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. ganzen Hinweis lesen...
Mehr erfahren...