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Schüler müssen zu viele Jahreszahlen lernen

Geschichtswissen auch in Zeiten des Internet zur Orientierung nötig

29.01.2009


Geschichtslehrer fordern zu viele Jahreszahlen von ihren Schülern. Das hat Michael Sauer, Geschichtsdidaktiker an der Universität Göttingen, in einer Befragung von 90 Gymnasiallehrern festgestellt. Er schlug 248 Jahreszahlen vor, ausgehend von der vorgeschichtlichen Zeit bis hin zur Gegenwart, und bat die Lehrer um ihre Einschätzung, welche davon ein Schüler am Ende der zehnten Schulstufe wissen sollte. Die Angaben variierten zwischen 40 und 150 Zahlen, wobei der Durchschnitt bei 104 lag. "Die Vorstellung über einen Datenkanon gehen weit auseinander. Es fehlt auch eine einheitliche Definition, welche Geschichtsdaten verbindlich sein sollten", lautet das Resümee des Historikers.

Kaum Einigung fanden die Lehrer bei Daten zum Beginn der Menschheitsgeschichte, zu den antiken Kulturen Griechenlands und Roms oder auch zum Mittelalter. Dies gelang besser bei der frühen Neuzeit, beim Zeitalter des Absolutismus sowie bei den seitherigen Revolutionen und Kriegen. Das am öftesten angeführte Datum war 1914 als Ausbruch des Ersten Weltkriegs. "Die Zahl hat wenig Konkurrenz, im Gegensatz zu verschiedenen Daten der Kriegseintritte beim Zweiten Weltkrieg", erklärt Sauer. Als bedeutendste Epochen gelten die Zeitspannen der beiden Weltkriege.

Dabei entpuppten sich enorme Unterschiede zwischen Selbsteinschätzung und Lehrpraxis der Geschichtslehrer. "Sie wollen mit den eingeforderten Jahreszahlen sparsam sein, geraten jedoch in den Sog von Daten, die ihnen als wichtig erscheinen", so Sauer. Das erkläre, warum die Lehrer durchschnittlich 104 Jahreszahlen als wichtig erachteten, während sie bei der Frage, wie viel Jahreszahlen ein Schüler beherrschen sollte, mehrheitlich "30 bis 40" angaben. Das würde der durchschnittlichen Erinnerungsfähigkeit der Schüler am Ende ihrer Schullaufbahn viel eher entsprechen, die Sauer auf 30 geschichtliche Jahresangaben schätzt.

Seit den 70er-Jahren hat sich der Geschichtsunterricht langsam von der reinen Faktenvermittlung verabschiedet, Zusammenhänge werden als bedeutender erkannt. "Heute ist der Geschichtsunterricht ein Denkfach geworden", so Sauer. Bei der Vermittlung von Zahlen komme es auf die Bedeutung an, die man ihnen zuschreibe."1492 als das Jahr der Landung von Kolumbus in Amerika ist ein schlichtes, personifiziertes Datum, das etwa als Chiffre für den Beginn eines europäisch geprägten Welthandelssystems interpretiert werden kann."Große Lücken erkennt Sauer in der menschheitsgeschichtlichen Ausrichtung des Unterrichts. "Veränderungen wie die Neolithische oder die Industrielle Revolution wurden von den Lehrern wenig genannt. Dennoch bilden sie große Einschnitte für die menschliche Entwicklung."

Ersparen könne man sich das Zahlenlernen auch in Zukunft nicht, verteidigt Sauer die Geschichtslehre. "Selbst im Zeitalter des Internets ist es wichtig, Jahreszahlen und Epochen im Kopf zu behalten, um sich in der Vergangenheit zu orientieren", betont Sauer. Der Schwerpunkt in der schulischen Vermittlung liege derzeit noch immer auf der national geprägten Geschichte. "Die wenigen Auswahlmöglichkeiten zur außereuropäischen Geschichte wurden von den befragten Lehrern kaum genutzt." Es sei jedoch eine Diskussion im Gange, in Zukunft mehr Weltgeschichte zu behandeln, so der Göttinger Historiker abschließend.

Quelle: pte

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