Test - Armaturen geben Blei ins Trinkwasser ab
Bei 12 von 13 getesteten Produkten wurde Blei im Wasser nachgewiesen
Dass Wiener Altbau-Haushalte ein Problem mit erhöhtem
Bleigehalt im Trinkwasser durch die alten Blei-Wasserleitungen haben könnten,
ist bekannt. Aber dass auch moderne Armaturen Blei oder andere Schwermetalle
wie Cadmium, Nickel oder Kupfer ans Wasser abgeben können, ist Konsumenten
bisher unbekannt. Die AK hat jetzt 13 Badezimmer- und Küchenarmaturen in Wiener
Baumärkten eingekauft, die von knapp 10 bis rund 75 Euro kosteten. Die
Untersuchung wurde im Juni 2004 durch das Labor des Vereins für Konsumenteninformation in
Wien durchgeführt.
Die Armaturen wurden mit destilliertem Wasser aufgefüllt und der Schwermetallgehalt im Wasser nach 24 und 72 Stunden bestimmt. Nach der Trinkwasserverordnung dürfen derzeit im Wochendurchschnitt maximal 25 Mikrogramm Blei pro Liter Trinkwasser enthalten sein. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt sogar einen Wert von 10 Mikrogramm je Liter, der auch ab 2013 gelten wird. Für Nickel gilt ein Höchstwert von 20 Mikrogramm je Liter, für Cadmium 5 Mikrogramm und für Kupfer maximal 2.000 Mikrogramm pro Liter.
Das AK Testergebnis zeigt: In 12 der 13 Armaturen wurde
Blei im Wasser nachgewiesen, wenn es 24 Stunden lang in der Armatur unbewegt
steht. Bei 3 von 13 Armaturen wurden 10 bis 15 Mikrogramm Blei festgestellt.
Wird diese Menge regelmäßig im zuerst abgelassenen Wasser getrunken, so
bedeutet das, dass beispielsweise Kinder damit 30 bis 40 Prozent der maximalen
wöchentlichen Bleiaufnahme (bei einem 10 Kilogramm schweren Kind 250 Mikrogramm
laut Empfehlung der WHO) erreichen würden.
Bei einer Armatur wurden im Wasser
sogar 76,8 Mikrogramm nachgewiesen. Würde dieses "erste" Wasser
regelmäßig konsumiert, würden Kinder bereits auf die doppelte maximale
wöchentliche Bleiaufnahme allein aus der Armatur kommen. Bei den restlichen 9
untersuchten Armaturen lagen die nachgewiesenen Bleiwerte im Wasser zumindest
unter einem Wert von fünf Mikrogramm, Kinder kämen so bei regelmäßigen Konsum
auf bis zu 14 Prozent der maximalen wöchentlichen Bleimenge. Bei Nickel,
Cadmium und Kupfer wurden die Grenzwerte für Trinkwasser zumeist weit
unterschritten, wenn das Wasser einen oder drei Tage lang unbewegt in der
Armatur stand.
"Blei ist giftig und kann bei chronischer Belastung zu
Magenerkrankungen, Nierenstörungen, Kopfschmerzen, Anämie oder Müdigkeit
führen", sagt AK Konsumentenschützer Heinz Schöffl. Konsumenten wissen nicht, dass auch bei modernen
Armaturen Blei ins Wasser abgegeben wird und so eine potentielle Gefährdung
bestehen kann. "Die Hersteller sollen daher die Armaturen vor dem Verkauf
auf eine Bleibelastung testen und die Konsumenten auf diese Problematik bereits
beim Kauf von Armaturen entsprechend hinweisen", verlangt Schöffl. Es ist
nicht einzusehen, dass aus den Armaturen überhaupt Blei ins Trinkwasser
gelangt.
Blei im Wasser sammelt sich, wenn das Wasser stundenlang
unbewegt in den Leitungen oder aber in den Armaturen steht.
Die Werte seien lt. AK allerdings reduzierbar: Bevor Trinkwasser entnommen werde,
solle man auf Grund der möglichen Belastung durch die Armatur zumindest einen
Liter abrinnen lassen. Gibt es die zusätzliche Bleibelastung durch die
vorhandenen Bleirohre in den Altbauten, müssten zusätzlich weitere Liter
abgelassen werden, um die Bleibelastung im Trinkwasser zu reduzieren. AK Tipp:
Auch wenn Sie keine alten bleihältigen Leitungsrohre im Haus haben, sollten
Sie auf Grund der möglichen Belastung durch die Armatur das in der Früh oder
nach dem Urlaub zuerst entnommene Trinkwasser vorsorglich zu anderen als
Trinkzwecken verwenden.
Quelle: AK Wien
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